Mit den Händen zu greifen (Siegener Zeitung vom 16. Juni 2009)
Passanten können in der Kölner Straße das Stadtmodell des Künstlers Egbert Broerken erfühlen
ciu Siegen. „Kohlbettstraße", sagt Fritz Schutz. Nur zu sich selbst, zur Rückversicherung. Der ehemalige Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins ist einer der ersten, die das Siegener Stadtmodell für blinde und für sehende Menschen anfassen, die Häuserfassaden ertasten, Straßenzüge mit den Fingern entlangfahren, Dimensionen mit beiden Händen ergründen können. Einen Augenblick zuvor hatten Bürgermeister Steffen Mues und Andreas Dreker, Präsident des Lions Clubs Siegen-Rubens, das bronzene Modell am Fuß des Dicken Turms enthüllt und somit freigegeben für Passanten auf dem Weg von der Unter- in die Oberstadt und wieder zurück.
Geschaffen hat dieses dreidimensionale Abbild der Stadt der Künstler Egbert Broerken (die SZ berichtete). Rund 40 solcher Reliefs hat er inzwischen für Städte in ganz Europa erstellt, augenblicklich arbeitet er u. a. an einem Modell des Mainzer Doms. Was ihn interessiere, sagt er im Gespräch mit der Siegener Zeitung, seien die Strukturen einer Stadt, eines Gebäudes.
Am Beispiel Siegens habe ihn die Spannung zwischen oben und unten, zwischen Oberem und Unterem Schloss, fasziniert. Und auch wenn Broerken im Prinzip maß-stabsgetreu nachzeichnet, verfremdet er sein Stadt-Bild, indem er den Gebäuden die modelleisenbahnartige Schärfe nimmt. Lions-Präsident Dreker erinnerte gestern
in seiner Rede zur Einweihung des Modells an dessen Entstehungsgeschichte: angefangen von der Idee des Lions-Bruders Dr. Klaus Jacob (der Augenarzt sah in Stralsund eines der Broerken'schen Modelle und war begeistert!) über die Entscheidungsfindung im Club bis zur Beauftragung des Künstlers und den Prozess der Herstellung. Steffen Mues dankte dem Lions Club Siegen-Rubens und auch den zahlreichen weiteren Sponsoren für ihr Engagement. Die Schenkung des Modells trage mit dazu bei, „die Maßnahmen zur Barrierefreiheit unserer Stadt weiterzuführen". Danke sagte der Bürgermeister dem Club zudem für den 1000-Euro-Scheck für die Tour der Hoffnung, die am 13. August durch die Stadt führt und deren Erlös auch für die DRK-Kinderklinik Siegen gedacht ist.